St.-Johannes-Bruderschaft
 
 
 
 


Hochkirchliche St.-Johannes-Bruderschaft

 

Das Elisabeth-Kreuz

 

ist das Erkennungszeichen der Bruderschaft. Es geht auf die Heilige Elisabeth von

Thüringen zurück (1207-1231), Gedenktag 19.11., die an ihrem Witwensitz Marburg ein Franziskushospital errichtete. Erfüllt von der mystischen Christusliebe des Franziskus, durchdrungen von seinem Glauben an Christi Gegenwart in den Armen und seiner vollkommenen Freude, diente sie im grauen Gewand der Franziskanertertiarierin den Kranken, Aussätzigen und Kindern. Ihre enge Verbindung mit Franziskus wurde dadurch besiegelt, daß Papst Gregor IX. ihr den eigenhändig von den Schultern genommenen Mantel übersandte. Erschöpft durch ihr asketisches Leben, starb sie am 17.11.1231. Auf Betreiben der Deutschherren, die 1234 das Spital übernahmen, wurde sie 1235 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen.

Die Bruderschaft

Die Bruderschaft wurde 1929 von Prof. Dr. Friedrich Heiler (+1967 in Marburg) gegründet als "Evangelisch-Katholische Eucharistische Gemeinschaft". Im Dritten Reich wurde sie wegen Widerstands gegen den "Arierparagraphen" verboten. Im Jahre 1947 trat sie als "Evangelische-Ökumenische St.-Johannes-Bruderschaft" wieder in Erscheinung. Nach den Jahren der erzwungenen Trennung ist die Bruderschaft seit 1992 wieder vereint. Zu ihr gehören ca. 100 Mitglieder in Deutschland, in den Niederlanden, in Österreich und in Tschechien.

Hervorgegangen aus Mitgliedern "Hochkirchlichen Vereinigung", entstand die Bruderschaft mit der Zielsetzung, landeskirchlichen und konfessionalistischen Provinzialismus zu überwinden, zum unverkürzten Evangelium und Glauben der gesamten Christenheit zurückzukehren, das Altarsakrament als Höhepunkt des Gottesdienstes wieder zu gewinnen und aus Wort und Sakrament zur Koinonia zu gelangen. Die bischöfliche apostolische Sukzession als Bekenntnis zu dem "ganzen Christus der ganzen Kirche" soll der Bewahrung von Amt und Charisma im urchristlichen Sinne dienen. Mit der Wahl des Evangelisten Johannes, des Apostels der Liebe, zu ihrem Patron bekennt sich die Bruderschaft zugleich zur Einheit der Kirche, wie sie im Hohepriesterlichen Gebet Jesu (Johannes 17) zum Ausdruck kommt, und versteht sich von daher als eine der ökumenischen Arbeit verpflichtete Bruderschaft.
Die bischöfliche apostolische Sukzession (syrisch-orthodoxe Linie) wird seit 1929 innerhalb der Bruderschaft gemäß den altkirchlichen Regeln weitergegeben und wurde Prof. Friedrich Heiler von +Petrus Gaston Vigué, der in der Tradition René Joseph Vilattes stand, gespendet.

Geistliche Quelle der Bruderschaft ist das Erlösungswerk Jesu Christi und seine Vergegenwärtigung. Sie will die von Chrsitus gestiftete Einheit leiblich erfahren und der konfessionalistisch eingeschränkte bzw. eingrenzenden Abendmahlspraxis widersprechen. Geistliches Leben äußert sich in der Feier des Stundengebetes, Regionaltreffen der Bruderschaftsmitglieder und als Höhepunkt in der Feier der Eucharistie.

Der Glaube der Bruderschaft

Die Bruderschaft steht auf dem Boden der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments, die sie im Einklang mit dem Glaubenszeugnis der Gesamtkirche auslegt. In ihrem Streben nach evangelischer Katholizität beruft sie sich auf das unveränderte Augsburgische Bekenntnis von 1530, das die Übereinstimmung des evangelischen Rechtfertigungsglaubens mit der Tradition der einen ungeteilten Kirche bezeugt und die Wiederherstellung der zerbrochenen kirchlichen Einheit sucht.

Sie achtet die Glaubensbeschlüsse der sieben ökumenischen Konzilien und die Lehren der alten Kirchenväter des Ostens und Westens sowie der Väter der reformatorischen Kirchen. Sie gebraucht das ökumenische Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (ohne "filioque) sowie das apostolische Glaubensbekenntnis. Die Bruderschaft vollzieht die in den orthodoxen und katholischen Kirche unter Berufung auf die Tradition verwalteten Sakramente, wobei sie zwischen den grundlegenden Sakramenten Taufe und Eucharistie und den sekundären Sakramenten (Beichte, Ordo (Amt), Firmung, Krankensalbung und Ehe) unterscheidet.

In der Eucharistie sieht die Bruderschaft den Höhepunkt des christlichen Gottesdienstes. Sie bekennt darin die reale Gegenwart Christi unter der Gestalt von Brot und Wein (CA X). Durch Gebet und Tat wirkt die Bruderschaft für die sakramentale Erneuerung der evangelischen Kirchen, die Wiedergewinnung der Apostolischen Sukzession und die Wiedererlangung der Einheit der Christenheit.

Im Ordo erkennt sie ein wesentliches Element der Kirche Jesu Christi und bejaht die Apostolische Sukzession der Amtsträger. Zugleich achtet sie die Ordination außerhalb der Sukzession stehender evangelischer Kirchen, soweit diese unter Handauflegung und Gebet die Weitergabe des geistlichen Amtes intendiert.

Leben in der Bruderschaft

Als eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern trifft sie sich zu Konventen mit theologischer Arbeit, täglichen Stundengebeten und Eucharistiefeiern. Sie gebraucht dabei Gebetstexte aus der Gesamtkirche und ihrer Geschichte, die die vielfältigen Aussagen der Eucharistischen Feier wiedergeben und damit die rettende und einende Kraft des wahrhaft gegenwärtigen Herrn zum Ausdruck bringen. Die Bruderschaft pflegt die verschiedenen geistlichen Ämter, wie es die eine ungeteilte Kirche getan hat, wie sie auch in den "Lima-Papieren" wieder beschrieben sind. Sie achtet die Ordnungen der jeweiligen Landeskirchen.

Die Glieder der Bruderschaft sind gehalten, in ihren örtlichen Kirchengemeinden mitzuarbeiten, insbesondere auf die häufige Feier des Vollgottesdienstes (Wort und Sakrament) hinzuwirken. Sie verpflichten sich zur regelmäßigen Lesung der Heiligen Schrift und zu einem geordneten Gebetsleben mit Hilfe des kirchlichen Stundengebetes. Einzelbeichte, brüderlicher Austausch in wichtigen Lebensentscheidungen, Opfer und Askese in den entsprechenden Kirchenjahreszeiten dienen der persönlichen und gemeinschaftlichen Heiligung. Die Kontaktpflege mit artverwandten Bruderschaften und Präsenz in den Zusammenkünften der "Hochkirchlichen Vereinigung" zielen auf die Katholizität als Einheit und Gemeinschaft der Christenheit ohne Uniformität. Die Bruderschaft wartet mit der ganzen Christenheit auf das Kommen des Reiches Gottes durch Den, der ER aus Liebe zur Welt dahingegeben und von den Toten auferweckt hat.