Wir beten Dich an,
Heiliger Herr Jesus Christus, Hier und in allen Deinen Kirchen Der ganzen Welt Und preisen Dich, Weil Du durch Dein heiliges Kreuz Die Welt erlöst hast. (Franz von Assisi) |
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Gibt es das? Ja, das gibt es, und zwar schon seit 1927 im Rahmen der evangelischen Landeskirchen. In der Tat wird es für viele katholische und evangelische Christen in unserem Land neu sein, dass es auch auf evangelischem Boden Menschen gibt, die nach der Ordensregel des Franz von Assisi zu leben versuchen, Menschen, die sich zum sogenannten Drittorden (Tertiaren) zählen. Der lange Bestand unserer Geschwisterschaft ist Anlass und Grund zurückzublicken und für Gottes gnädige Führung zu danken, aber auch den Blick nach vorn zu richten und nach dem weiteren Weg und seinen Aufgaben im neuen Jahrtausend zu fragen. Wir fragen immer wieder neue nach unserem Weg, um zur Entfaltung kommen zu lassen, was als Artikel 1 in unserer Regel steht: "Die Evangelische Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi sucht gemäß dem Beispiel des Armen von Assisi und der heiligen Elisabeth, der ersten deutschen Franziskaner-Tertiarin, mitten im modernen Leben die Nachfolge Christi zu verwirklichen. Ihr Ideal ist das des heiligen Franziskus: zu leben nach dem Vorbild des heiligen Evangeliums. Was beeindruckt uns bei Franz von Assisi?
Franz von Assisi (1182-1226) war der Sohn eines reichen Tuchhändlers. In seiner Jugend führte er ein Leben, dass allen Vergnügungen zugewandt war, aber auch den Menschen. Mit etwa 20 Jahren kam es zu einem Umbruch in seinem Denken, er fragte nach dem Willen Gottes in seinem Leben. Im Jahre 1206 betete er in einer kleinen Kirche in San Damiano: "Gib mir, HErr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen Auftrag erfülle." Und er hörte die Antwort im Anruf Gottes: "Geh hin und stelle mein Haus wieder her, das , wie du siehst, ganz verfallen ist!" - Das war die Stunde seiner Berufung. - Er verstand den Auftrag zunächst ganz im wörtlichen Sinne und ging daran, die kleine Kirche zu restaurieren. Er änderte seinen bisherigen Lebensstil radikal und verzichtete auf das väterliche Erbe. Zwei jahre später, beim Lesen des Evangeliums von der Aussendung der Jünger ohne Besitz, wurde ihm sein eigener Auftrag deutlich. Nach kurzer Zeit schlossen sich ihm die ersten Gefährten an, die mit ihm in radikaler Armut durch das Land zogen, um so die Nachfolge Christi zu leben. Dies schloss auch die liebende Zuwendung zu allen Geschöpfen ein. Sie fand ihren Ausdruck u.a. in dem "Sonnengesang" und in dem mehrfach vertonten Gebet: "O HErr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens!" Dies alles jedoch kam aus seinem Hauptanliegen, die frohe Botschaft von Jesus CHristus aller Welt bekannt zu machen. So war sein Weg ganz und gar der Weg der Nachfolge Christi. In die Gemeinschaft mit ihm immer tiefer hineinzuwachsen, war die eigentliche Mitte und Ausrichtung seines Lebens und Dienstes. Im Jahre 1224 empfing er am Berge Laverna die Stigmatisierung, die Wundmale Christi. Durch die heilige Klara wurden auch Frauen in diese Bewegung hineingezogen. Der zweite, weibliche Zweig des Ordens wurde gegründet, später dann sogar auch noch der dritte Orden (Tertiaren), ein Laienorden für die Menschen, die in ihrem Beruf und ihrer Familie nach ihren Möglichkeiten der Ordensregel gemäß leben wollen. Wie denken wir uns eine Franziskanische Lebensführung?
Für Franziskus war die Entscheidung zu einem Leben in Armut eine wichtige Voraussetzung dafür, frei zu sein für seinen Dienst - eine Entscheidung von nicht geringerer Bindung und Tiefe als die bezüglich der Ehe. Er nannte in der Tat die Armut seine Herrin und seine Braut. Aber was bedeutet das für uns heute? Das Leben in einem der reichsten Länder der Erde ohne Hunger und Mangel und das Leben in Verantwortung für eine Familie lässt das Reden von Besitzlosigkeit leicht zu einem Lippenbekenntnis werden. Es geht unserer Ansicht nach heute um:
Die Liebe zur Kirche erwuchs für Franziskus gegenüber dem äußeren und inneren Verfall der Kirche seiner Zeit. Wohl gibt es in unserem Land viele zweckentfremdete, reparaturbedürftige oder zum Museum degradierte Gotteshäuser, aber noch mehr wenig besuchte Gottesdienste. In einer säkularisierten Gesellschaft geht es den Tertiaren um
Neben diesen Seiten der franziskanischen Spiritualität ist das ökumenische Anliegen ein wichtiger Grundgedanke unserer Gemeinschaft. Wir beten und mühen uns um die einheit aller christlichen Kirchen im Glauben und in der Liebe, auf dass sich das hohepriesterliche Gebet des Herrn erfülle: "dass sie alle eins seien." (Joh. 17,21) Die Liebe zu den Geschöpfen bewog Franziskus zum freudigen Lobpreis Gottes, aber auch zur Sorge für Kranke, Aussätzige und alle Kreatur. Wie aktuell ist heute:
Diese drei Hauptgedanken sind es, die uns heute in der Nachfolge Christi bewegen. Wie entstanden die Evangelischen Franziskaner Tertiaren? Den Anstoß zu einer franziskanischen Bewegung innerhalb der evangelischen Landeskirchen gab der französische Hugenottenpastor und spätere Kirchenhistoriker Paul Sabbatier (+1928) durch sein Franziskusbuch (1893), das eine sehr starke Verbreitung fand. Eine erste Frucht dieser Bewegung war die Gründung eines nach franziskanischem Muster geschaffenen Laien-Tertiaren-Ordens in der Hugenottenkirche Frankreichs. Ihr Gründer war der Pariser Theologieprofessor und Pastor Wilfried Monod, der am Schluß einer Rede auf der Stockholmer Weltkirchenkonferenz 1925 folgenden Wunsch aussprach: "Möge der Geist des heiligen Franziskus immer wieder auferstehen und sich überall in der Christenheit Sendboten eines neuen Laien-Tertiaren-Ordens erwecken, Prediger eines sittlichen, sozialen und geistlichen Evangeliums, das allein fähig ist, das furchtbare Gespenst einer Weltkatastrophe zu banne." Unter den Zuhörern befand sich auch der Marburger Theologe Friedrich Heiler, der von diesen Ausführungen tief ergriffen war. So machte Heiler 1925 in Magdeburg den Vorschlag zur Gründung eines evangelischen Franziskanertertiarenordens. Dabei sagte er u.a.: "Was wir sogleich verwirklichen können, das ist ein Tertiarenorden im Geist des heiligen Franz. Sollten wir nicht dasselbe zuwegebringen, was ein französischer Hugenotte, Wilfried Monod, ins Leben gerufen hat? .. Wir Hochkirchlichen sollten Monods großes Ordensprogramm übernehmen und in noch engerem Anschluss an die Regel des heiligen Franz und seine kirchliche Frömmigkeit weiterführen." 1927 wurde die "Evangelische Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi" (Evangelische Franziskaner-Tertiaren = EFT) gegründet. Wie sieht es gegenwärtig bei uns aus? Zahlenmäßig ist unsere Gemeinschaft nicht groß. Wir wohnen weit verstreut in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich. Doch wir alle sind verbunden in der Gemeinschaft des Glaubens und des führbittenden Gebets. Zum besseren Kennenlernen und Verstehen werden jeweils zwei Schwestern oder zwei Brüder für eine Zeitlang zwecks Korrespondenz zu Weggefährten bestimmt. Mehrmals im Jahr erscheint ein Geschwisterbrief. Soweit möglich, kommen wir zu kleineren regionalen Treffen, zu Tagungen und Einkehrtagen zusammen, regelmäßig mit der Hochkirchlichen St.-Johannes-Bruderschaft, der auch viele Franziskaner-Tertiaren angehören, aber auch zu Begegnungen mit der Franziskanischen Gemeinschaft der römisch katholischen Kirche. Zu unseren Treffen kommen auch immer wieder Gäste, und wir freuen uns über jede und jeden, der unsere Gemeinschaft persönlich kennenlernen möchte. Sie alle sind herzlich eingeladen! Und wenn man verbindlich zu dieser Gemeinschaft gehören möchte? Das ist möglich für jeden getauften Christen. Nach einer mindestens ein-, in der Regel zweijährigen Probezeit (Noviziat) kann nach der Entscheidung durch den Konvent der Tertiaren die volle Aufnahme erfolgen. Die Evangelischen Franziskaner-Tertiaren haben das alte franziskanische Zeichen übernommen, die gekreuzten Arme mit den Wundmalen Christi (Stigmata) an den Handflächen, die sich an ein von einem Strahlenkranz umleuchtetes kreuz lehnen. Über dem Kreuz sind die alten franziskanischen Grußworte eingeprägt: PAX ET BONUM (Friede und Heil) Am unteren Rand des Zeichens deuten die Anfangsbuchstaben E.F.T. an, dass die Träger dieses Zeichens dem evangelischen Zweig der großen Franziskanerfamilie angehören. |
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Die Evangelische "Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi" wurde im Jahr 1927 gegründet. Die nachstehende Regel stammt von dem am 28.04.1967 verstorbenen Gründer, Professor D. Dr. Friedrich Heiler, D. D., Marburg-München. Nach seinem Heimgang übernahm die Leitung der Bruderschaft Rektor Pfarrer Rudolf Irmler, und nun hat die Leitung Pfr. Martin Bürgener. |
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Die Regel der Evangelischen Franziskaner-TertiarenFür die "Evangelische Franzikanerbruderschaft der Nachfolge Christi" (Evangelische Franziskaner-Tertiaren) 1. Die evangelische "Franziskanerbruderschaft der Nachfolge Christi" sucht gemäß dem Beispiel des Armen von Assisi und der hl. Elisabeth, der ersten deutschen Franziskaner-Tertiarin, mitten im modernen Leben die Nachfolge Christi zu verwirklichen. Ihr Ideal ist das des hl. Franziskus: "zu leben nach dem Vorbild des heiligen Evangeliums" (vivere secundum formam Sancti Evangelii). 2. Den Spuren des hl. Franziskus folgend wollen die evangelischen Franziskaner-Tertiaren, dass der menschgewordene Erlöser sein Bild in ihrem eigenen Leben auspräge: Ein jeder Christ ist berufen, in der Nachfolge des göttlichen Meisters im Leben, Lieben und Leiden ein "zweiter Christus" (alter Christus) dem Nächsten ein Christus zu werden. 3. Die evangelischen Franziskaner-Tertiaren suchen die apostolisch-franziskanischen Ideale der Armut, Keuschheit und des Gehorsams, der Demut, vollkommenen Freude und allumfassenden Liebe zu verwirklichen, ohne die Welt und den Beruf, in dem sie stehen, zu verlassen. a) Mit dem Poverello von Assisi lieben sie die Armut als ihre Braut in stetem Aufblick zu Dem, der "ob er gleich reich ist, arm ward um unsretwillen" (2.Kor. 8,9). Sie entsagen innerlich dem Besitz, indem sie die Anhänglichkeit an Geld und Gut aufgeben. Sie verachten allen Mammon und erwerben und behalten an irdischem Besitz nicht mehr als für ihr eigenes Leben und für das Leben und die Erziehung ihrer Familie nötig ist. Allen Überfluss an irdischem Vermögen verwenden sie im Dienste der Kirche Christi und der notleidenden Brüder. b) Sie leben in Reinheit und Zucht gemäß ihrem ehelosen oder ehelichen Stand. Die Eheleute unter ihnen halten sich in ihrer ehelichen Gemeinschaft frei von allem, was die Heiligkeit und sakramentale Würde der Ehe bedroht. Ehelose und Eheliche bekämpfen alle Sittenlosigkeit durch Wort und Beispiel; sie meiden in Kleidung und Erholung alles, was Ehrbarkeit und Reinheit gefährdet. c) Gemäß dem Beispiel Dessen, der "gehorsam war bis in den Tod", erweisen sie in ihrem Ordensleben Gehorsam den mit der Leitung betrauten Brüdern. Desgleichen erweisen sie demütigen Gehorsam allen ihren geistlichen und weltlichen Vorgesetzten bis an die Grenze des an Christus gebundenen Gewissens. d) Im Geiste des Troubadours der Freude und Liebe lieben sie alle Geschöpfe mit göttlicher Liebe und dienen ihnen. Mit der Liebe des Erlösers umfassen sie alle Menschen, Freunde wie Feinde, Christen wie Nichtchristen, die Nächsten wie die Fernsten, als Brüder und Schwestern und dienen ihnen in heiliger Demut, in vollkommener Freude und selbstloser Aufopferung. Ihre größte Liebe schenken sie um der Liebe zum leidenden und gekreuzigten Heiland willen allen, die leiden an Leib und Seele, den Armen, Kranken, Verachteten, Verfolgten, Verirrten, Sündern und Verbrechern, indem sie sich stets die Worte vor Augen halten: "Hast du deinen Bruder gesehen, so hast du deinen Herrn gesehen" (Vidisti fratrem, vidisti Dominum tuum). Denn so sagt der Herr: "Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" (Mt. 26,40); und ebenso das Wort des heiligen Franziskus: "Wenn du einen Armen vor dir hast, musst du in ihm den sehen, in dessen Namen er kommt, nämlich den Heiland, der unsere Schwachheit auf sich genommen. So ist die Armut und Schwachheit dieses Menschen gewissermaßen der Spiegel, durch den wir voll Mitleiden die Armut und Schwachheit unseres Herrn Jesu Christi beschauen und betrachten" (Spec.perf. 37). Getreu dem Beispiel des Friedensstifters von Assisi tun die evangelischen Franziskaner-Tertiaren in Gebet, Wort und Tat alles, um den Frieden, die Eintracht und die Zusammenarbeit der Völker und Klassen zu fördern und Hass, Feindschaft und Ungerechtigkeit, wo immer auch sie sich finden, zu überwinden. 4. Dem Beispiel des heiligen Franziskus folgend lieben die Glieder der Bruderschaft die eine ökumenische Kirche als ihre geistige Mutter. Bei aller dankbaren Treue gegenüber der Sonderkirche, der sie angehören, bemühen sie sich allezeit, Ernst zu machen mit der Mahnung des Poverello: "Alle Brüder sollen katholisch sein, katholisch denken und leben" (Reg. prim.: Omnes fratres sint catholici, vivant et loquantur catholice). Sie halten unerschütterlich am katholischen Glaubenserbe der ganzen Kirche fest im Sinne des Wortes: "Was immer, was überall, was von allen geglaubt worden ist, das ist im wahrsten und eigentlichen Sinn katholisch (Quod semper, quod ubique, quod ab omnibus creditum est, hoc est etenim vere proprieque catholicum). Sie unterwerfen sich der Autorität der ökumenischen Konzilien in dem festen Glauben, dass die Gesamtkirche nicht irren kann. Mit dem heiligen Franz erweisen sie Ehrfurcht und Demut allen christliche Priestern, Hirten und Bischöfen, weil sie mit ihm in ihnen Christum den Herrn sehen (Test. S. F.). Und wo sie an ihnen Fehler und Sünden entdecken, sprechen sie mit dem heiligen Franziskus: "Was jenen gebricht, das soll von uns ersetzt werden" (Spec.perf. 54: Quod in illis invenitur minus, suppleatur a nobis). Sie beten und arbeiten unermüdlich für die Einigung aller christlichen Kirchen im Glauben und in der Liebe, auf dass sich das hohepriesterliche Gebet des Herrn erfülle: "dass sie alle eines seien" (Joh. 17,21: Ut omnes unum sint)! Desgleichen beten und arbeiten sie dafür, dass die verlorengegangenen Glaubenswahrheiten, Überlieferungen und Sitten der altchristlichen Zeit in den Kirchen der Reformation wiederhergestellt werden, aber ebenso, dass die ganze Kirche Christi durchdrungen werde von dem reinen Evangelium der gratia sola und so befreit werde von allen Missbräuchen und Entartungen. 5. In Gemeinschaft mit den katholischen Lehrern und Heiligen und insbesondere mit dem Armen von Assisi und mit Martin Luther bekennen sie, dass Christus im Sakrament des Altares wahrhaft gegenwärtig ist, wie einst in der Krippe zu Bethlehem und am Kreuz von Golgatha. Sie beten und arbeiten dafür, dass der volle Glaube an dieses Mysterium in allen christlichen Kirchen erneuert werde. Die Priester der Bruderschaft feiern wenigstens einmal in der Woche die heilige Eucharistie; die Laien nehmen möglichst oft an der Feier des heiligen Abendmahles teil; sie empfangen die heilige Kommunion in ihrer eigenen Kirche und wo immer sie von den gläubigen Priestern und Dienern der allgemeinen Kirche zugelassen werden. Dem besonderen Wunsche des hl. Franziskus gemäß sind sie darum bemüht, dass die Eucharistie würdig in den Kirchen aufbewahrt werde. Sie arbeiten für die Öffnung der Kirchen zum stillen Gebet und besuchen mit Freuden jede offene christliche Kirche. So oft sie eine Kirche betreten oder an ihr vorübergehen, sprechen sie mit dem hl. Franziskus: "Wir beten dich an, Herr Jesu Christe, hier und in allen deinen Kirchen auf der ganzen Erde; wir preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst" (Test.: Adoramus te, Domine Jesu Christe, hic et ad omnes ecclesias tuas, quae sunt in toto mundo, et benedicimus tibi, quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum). 6. Nach der Weisung des hl. Franziskus (Reg.prim.) bekennen sie demütig ihre Sünden frommen Priestern und empfangen von ihnen die Lossprechung. Wo dies nicht möglich ist, beichten sie nach den Regeln des hl. Franz einem ihrer Brüder oder einer ihrer Schwestern. 7. Nach der Weisung des hl. Franziskus suchen sie die Mahnung des Herrn zu verwirklichen, "allezeit zu beten und nicht lässig zu werden" (Luk.18,1; Reg.prim.). Die Priester der Bruderschaft beten gemäß altkirchlicher Regel das Stundengebet, sei es nach dem römischen Brevier, dem Common Prayer Book oder nach einem besonderen Formular. Die Laien widmen jeden Morgen und Abend einige Zeit der Stille und dem Gebet. Empfohlen wird für den Morgen ein beliebiger Psalm oder biblischer Preisgesang, das Glaubensbekenntnis und das Vater Unser; für den Abend ein Psalm, das Magnifikat oder das Nunc dimittis und das Vater Unser, sowie für den Morgen oder Abend folgende kurze Gebete:
Des Mittags beten sie die acht Seligpreisungen der Bergpredigt mit dem Gloria patri. Auch betrachten sie täglich ein Stück der heiligen Schrift. Am Donnerstagabend gedenken sie des Leidens Christi, desgleichen am Freitagabend seines bitteren Sterbens. An jedem Sonnabend erforschen sie ihr Gewissen und beten den 51. Psalm. Für die Feiertage, besonders der Passionszeit, wird ihnen das Beten des Kreuzwegs empfohlen; für die Sonnabende und Marienfeste das Beten des Ave Maria (Luk. 1,28; 42). 8. Die Glieder der Bruderschaft enthalten sich, soweit es ihre Gesundheit und ihre Familienverhältnisse erlauben, an jedem Freitag der Fleischspeisen, desgleichen an den Quatembertagen, am Aschermittwoch, am Gründonnerstag, am Karfreitag und Karsamstag sowie an den Vorabenden der hohen Feste. Ferner begnügen sie sich mit einmaliger Sättigung an den Wochentagen der Fastenzeit, den Quatembertagen und Vigilien der hohen Feste. Sie enthalten sich nach Möglichkeit alkoholischer Genussmittel. Sie vergessen jedoch bei dem allen nicht die Mahnung des hl. Franziskus: "Ein jeder muss auf seine Natur Rücksicht nehmen; er muss seinem Leib das Nötige gönnen, auf das dieser imstande sei, dem Geiste zu dienen. Wir müssen uns vor übertriebenem Fasten hüten; denn der Herr will erbarmende Liebe und nicht Opfer" (Spec.perf. 27). 9. Die Leitung der Bruderschaft liegt in den Händen eines ´ministers generalis`, nach Möglichkeit eines nach der Regel des hl. Franziskus lebenden Priesters, sonst eines Priesters des Tertiarenordens, der von den Brüdern und Schwestern gewählt wird. Ihm steht zum besonderen Dienst an den weiblichen Tertiaren eine Frau zur Seite. Die Leitung einer Provinzgruppe liegt in den Händen eines ebenfalls zu wählenden ´minister`. Alle leitenden Brüder und Schwestern sollen stets nach der Mahnung des hl. Franziskus die Worte des Herrn erfüllen: "Wer da will groß werden unter euch, der soll euer Diener sein" (Mk. 10,44); "der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste" (Luk. 22,26). Auch sollen sie sich stets das Idealbild vor Augen halten, das der hl Franziskus seinen Jüngern vorgezeichnet hat (Spec.perf. 80). 10. Alle zwei Monate findet eine Ortsversammlung, im Frühjahr und im Herbst eine Hauptversammlung statt. Diese Versammlungen dienen der Regelung der Ordensangelegenheiten, vor allem aber dem gemeinsamen Gottesdienst und Gebet sowie dem Studium des franziskanischen Schrifttums. 11. Der Tertiarorden steht jedem auf den Namen des dreieinigen Gottes getauften Christen offen. Zur Aufnahme ist schriftliche Anmeldung erforderlich, sodann die Innehaltung einer mindestens einjährigen Probezeit (Noviziat). Über die endgültige Aufnahme entscheidet die Versammlung der Brüder und Schwestern. Ist sie erfolgt, so kann der Novize sich in einem Gelübde auf die Regel verpflichten. Während des Noviziats steht der Austritt jederzeit frei. Nach Ablegung des Gelübdes ist es jederzeit möglich, sich einer anderen christlichen Ordensgemeinschaft anzuschließen. Die besonderen Verpflichtungen der Franziskanischen Tertiarenregel hören in diesem Falle auf; die geistige Gemeinschaft mit der Tertiarenbruderschaft bleibt jedoch bestehen. Erfolgt aus einem anderen Grunde ein regelrechter Austritt aus dem Tertiarenorden oder muss ein Mitglied wegen seines Wandels aus dem Leben des Ordens ausgeschlossen werden, so betrachtet die Bruderschaft ihre Gemeinschaft mit solchen Mitgliedern nicht als gelöst, sondern wartet in fürbittender Liebe auf ihre Rückkehr. 12. Die Glieder der Bruderschaft betrachten alle in dieser Regel vorgeschriebenen oder empfohlenen Übungen als Hilfe zu einer reineren Erfahrung der göttlichen Gnade und zu einem vollkommeneren Dienst an den Brüdern. Sie halten sich ständig das Wort des Heilands vor Augen: "Wir sind unnütze Knechte, wie haben getan, was wir zu tun schuldig waren" (Luk. 17,10); ebenso Luthers Mahnung: Nicht um in den Himmel zu kommen und selig zu werden, gilt es gute Werke zu tun; nein, "du musst den Himmel haben und schon selig sein, ehe du gute Werke tust". Auch betrachten die evangelischen Tertiaren diese Regel nicht als äußeres Gesetz, das sie fesselt und ihnen zum Fallstrick wird, sie legen sie vielmehr aus nach dem Grundsatz: "Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig" (2.Kor 3,6). "Wo der Geist des Herrn ist, da ist die Freiheit" (2.Kor 3,17). Ein jeder, der im Geiste dieser Regel lebt und für die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche im Sinne des hl. Franziskus arbeitet, kann es nicht tun, ohne dafür Leiden und Verfolgung zu ernten. Doch er möge nicht verzagen, sondern sich stärken an der Seligpreisung der Bergpredigt (Mt. 5,10f) und an den Worten des hl. Franziskus: "Alle Brüder, wo sie auch seien, mögen sich erinnern, dass sie ihren Leib ganz dem Herrn Jesus Christus übergeben haben und ihn aus Liebe zu ihm allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden aussetzen müssen" (Reg.prim.). "Wenn wir alle Unbilden freudig ertragen im Gedanken an Christi Leiden, die auch wir uns seiner Liebe willen auf uns nehmen sollen, darin besteht die vollkommene Freude. Über allen Gnaden und Gaben des heiligen Geistes, die Christus seinen Freunden verleiht, steht obenan, sich selbst zu überwinden und gern aus Liebe zu Christus zu leiden und Unrecht, schimpf und Ungemach zu tragen" (Fioretti 8). "Unsere Freunde sind alle jene, die uns ungerechterweise Trübsal und Angst, Schmach und Unbill, Schmerz und Folter, Martyrium und Tod verursachen; wir müssen sie gar sehr lieben, denn durch das, was sie uns zufügen, besitzen wir das ewige Lebe" (Reg.prim.). Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. |
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