Die Hochkirchliche Vereinigung (HV)
Entstehung und Geschichte

Pastor Heinrich Hansen Den Anstoß zu der Gründung der Hochkirchlichen Vereinigung gab das Reformationsjubiläum 1917. Es veranlasste Pastor Heinrich Hansen zu 95 Thesen (Stimuli et clavi = Spieße und Nägel, zum Text), in denen er den zerfallenden Protestantismus zur Rückkehr zur evangelischen Katholizität aufrief. Mit dem Ende des ersten Weltkrieges endete die bischöfliche Verfassung der Landeskirchen. Das sog. ´Landesherrliche Kirchenregiment` hinterließ eine geistliche Leerstelle und so fragten viele Christen ganz neu nach Wesen und Gestalt der Kirche. Die Thesen von Pastor Hansen bewirkten im Oktober 1917 und im folgenden Jahr die Sammlung einer größeren Anzahl von Theologen und Laien zur "Hochkirchlichen Vereinigung". Der Name "Hochkirche" sollte die Hochschätzung der Kirche weitertragen. Aus ihrer Mitte kam der Impuls zu Bruderschaften und Orden im Raum der protestantischen Landeskirchen. Früh beteiligte man sich an der ökumenischen Bewegung. 1920 nahm der damalige 2. Vorsitzende, der reformierte Pfarrer Heinrich Mosel, an der Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung (Faith and Order) in Genf teil und wurde 1921 Mitglied des Fortsetzungsausschusses. Von 1924-1927 leitete er die HV.

Prof. Dr. Friedrich Heiler

Professor Dr. Friedrich Heiler (+1967) übernahm 1929 den Vorsitz der Vereinigung und gab 1. den Anstoß zur Gründung der evangelischen Franziskaner-Bruderschaft (Evangelische Franziskaner-Tertiaren) und 2. der späteren (1975 so benannten) Hochkirchlichen St.-Johannes-Bruderschaft. Durch ihn war die Vereinigung weiter an der ökumenischen Bewegung beteiligt und erfuhr durch ihn die Größe und Weite der Einen Heiligen Kirche jenseits einer konfessionellen Engführung.

Auch der Anfang der "Una sancta" - Arbeit in Deutschland geht mit Prof. Dr. Friedrich Heiler auf die Hochkirchliche Vereinigung zurück, der in mehreren Unterredungen zusammen mit dem damaligen 1. Vorsitzenden der HV, Pfr. Walter Drobnitzky, Münster, (siehe Foto unten), den damaligen römisch-katholischen Bischof von Berlin, Nikolaus Bares, für die Vorbereitung eines ersten Gesprächs zwischen römisch-katholischen und evangelischen Theologen gewann (Berlin-Hermsdorf 1934).

Pfr. Walter Drobnitzky

Die Stellung der Hochkirchlichen Vereinigung zum Bekenntnis und zur bekennenden Kirche im Kirchenkampf kommt bleibend in folgender Entschließung des damaligen sog. "Hochkirchentages" vom 10.07.1935 zum Ausdruck:

"Die hochkirchliche Vereinigung des Augsburgischen Bekenntnisses bezeugt, dass sie mit allen ihren Gliedern Gott um die wahre Erneuerung der Evangelischen Kirche in Deutschland aufruft. Sie weist darauf hin, dass die rechte Erneuerung der Kirche nicht möglich sein wird ohne die entschlossene Rückkehr zur völligen biblischen Wahrheit in Lehre und Verkündigung, zum apostolischen Amt der Kirche, zu bekenntnisgemäßem sakramentalen Leben und zum Bewusstsein der ökumenischen Einheit."

Die HV hat sich immer wieder für die Entwicklungen in der Ökumene stark gemacht. So für die Wiedergewinnung des Bischofsamtes, die liturgische Erneuerung in den Zeiten nach dem ersten und zweiten Weltkrieg, für die Agendenwerke der Evangelischen Landeskirchen und zuletzt für die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" (31.10.1999). Die HV hat seit langem einen Sitz in der "Lutherischen Liturgischen Konferenz Deutschlands". Ein Überblick über die Themen der letzten Jahrestagungen und die Veröffentlichungen in der Reihe "Eine Heilige Kirche - Neue Folge" (EHKNF) bezeugen dies (Themen siehe unten).

 
 
  Schon in ihrer Grüdungsurkunde von 1917, den "Spießen und Nägeln" (zum Text, siehe oben) des Amrumer Pfarrers Hansen beklagt dieser die Nüchternheit der protestantischen Gottesdienste. Die Verleiblichung der Liturgie, als das Bewußtsein, daß der Glaube keine Ideologie, sondern die Einheit von Handeln und Tun ist, hat die Gottesdienste der Hochkirchlichen Vereinigung schon bald an der "Leiblichkeit" und "Ganzheitlichkeit" orientierte Formen des Gottesdienstes wieder in Gebrauch nehmen lassen. (Das Bild zeigt Pfr. W. Drobnitzky, Münster, als Liturgen und rechts neben ihm Prof. F. Heiler sitzend in einer Hl. Eucharistie 1958 in der Marburger Schloßkapelle.) Mit Händen, Mund, Augen, Ohren und Nase ist für die Ausbreitung und Vergewisserung der Botschaft des universalen Heils der Menschheit in Jesus Christus zu streiten, so die Aussage der hochkirchlichen Gottesdienste. Der ganze Mensch ist von Gott in Dienst genommen. Damals als "Katholisierung" gebrandmarkt und verfolgt, ist die Neugewinnung leiblicher Formen heute ein Anliegen der protestantischen Landeskirchen und der Theologie. So wie Jesus Christus Mensch wurde, damit wir "BE-GREIFEN" was geschieht. Die Gewänder, der Weihrauch und alle anderen Mittel dienen direkt dem Reich Gottes und seinen Dienern zur Stärkung, Vergewisserung und Ausbreitung des Glaubens. Dieses Anliegen hat immer zu den Aufgaben der HV und ihrer Mitglieder gezählt.  
 
  Von 1970 bis 1985 leitete Pfarrer Mund die Hochkirchliche Vereinigung. Er prägte die HV in dieser schwierigen Zeit der Nach-68er-Generation durch seine Erfahrungen als Gefängnisseelsorger in Bautzen und seine Erfahrungen mit dem politischen System der ehemaligen DDR. Der nachmalige Pfarrer des Augustinums in München zeigte sich offen für die gesellschaftspolitischen Umbrüche und die Fragen der modernen Theologen Generation und brachte die Hochkirchlichen Vereinigung mit politischen und sozialistischen Gedanken in Kontakt , öffente sie für die Humanwissenschaften und schrieb der Gemeinschaft, der er vorstand, auch kritische Anmerkungen ins Stammbuch. An den ökumenischen Aufbrüchen seiner Zeit, wie der "St. Ansgar-Vesper" in Hamburg nahm er immer teil.  
 
  Pfr. Theo Hauf Die Themen einiger Jahrestagungen der vergangenen Jahre: Die Mitarbeit an den aktuellen ökumenischen Fragen, vor allem in der Frage der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" in den vergangenen Jahren, abzulesen auch an der sich hier anschließenden Themenübersicht, verdanken wir dem Engagement unseres Ehrenvorsitzenden Herrn Pfr. i. R. Theo Hauf, Mainz, Vorsitzender der Hv von 1985-1991 u.a. Mitherausgeber der Reihe "Eine Heilige Kirche".
  • Die katholische Erneuerung der Reformationskirchen
  • Das Mysterium der heiligen Eucharistie
  • Meditation als Glaubens- und Lebenshilfe
  • Maria und die Kirche
  • Gottesdienst heute
  • Polare Spannungen als Lebensantrieb der Kirche
  • Ökumenische Spiritualität
  • Apostolischer Glaube heute
  • Die heilige Taufe - Sakrament der Einheit
  • Frau und Mann - eins in Christus heute
  • Der erneuerte Mensch im Verständnis der Konfessionen
  • Auf dem Weg zur Einen Kirche - Die Koinonia-Diskussion heute
  • In der Rechtfertigung einig - Ziel oder Start
 
 
  1992 übernahm der ehemalige lutherische Pfarrer von Zweifelsheim in Bayern, Ernst Seybold, die Leitung der HV. Seine Interessen brachten der HV wieder eine Anknüpfung an ihre weltweiten ökumenischen Kontakte in den USA, den Niederlanden, England und Schweden. Pfarrer Seybold pflegte diese Kontakte zur weiteren Ökumene und ihm gelang es, in Fortsetzung der ökumenischen Arbeit, die Friedrich Heiler begonnen und Pfarrer Hauf aus Mainz-Finten für den innerdeutschen Raum gepflegt hatte, der Hochkirchlichen Vereinigung ein offenes, verantwortetes ökumenisches Profil zu geben, das weltweit Anerkennung findet. Seine Mitarbeit in der Bruderschaft "Sancti-Wunibaldi" und der "Aktion Kirchliche Erneuerung" in Bayern (AKE) mit ihrem Vorsitzenden, dem Münchner Pfarrer Helmut Steinlein, zeigten auch den ferner Stehenden, die Ziele und Aktivität der Hochkirchlichen Vereinigung. - 1997 starb Pfr. Seybold nach längerer Krankheit überraschend für die HV und hinterließ eine schmerzende Lücke.  
 
 
Für den verstorbenen Vorsitzenden Ernst Seybold übernahm 1997 Pfr. Bernd Thomas Feise, Hannover (Bild links), die Leitung der HV. In seiner zurückhaltenden Art gelang ihm mit der Geschäftsführerin Fr. OStR´. Ursula Kisker, Bochum, und dem 2. Vorsitzenden Pfr. Walter Goez, Münster, ein Leitungsteam zu bilden, dass der HV die Handlungsfähigkeit erhielt. Im Jahr 2000 gelang der Wechsel und mit Pfr. Frank Clemens Pierel (Bild rechts) aus Aue in Sachsen übernahm die nächste Generation den Vorsitz in der HV. In seinem Kirchenkreis ist Pfr. Pierel zusammen mit dem Studienleiter und zukünftigen Apostolischen Vikar der Bruderschaft, Pfr. Dr. W. Tischendorf, der Älteste des Hochkirchlichen Konventes in Sachsen (HKS), der auf regionaler Ebene ökumenisch Interessierte sammelt.